Die Laetrile-Odyssee

Laetrile (resp. Amygdalin oder Vitamin B17) ist eines der bekanntesten und umstrittensten alternativen Krebsheilmittel. Es wird entweder als allwirksames Wundermittel gepriesen oder als quacksalberisches Gift verteufelt, gemäßigte Töne findet man kaum. Die eigentliche pharmazeutische Substanz ist schon seit fast 200 Jahren bekannt, und so kann es nur noch mehr verwundern, dass die Meinungen dazu so unterschiedlich sein können. Man wird wenige alternative Heilmittel finden, über die mehr sinnvolles und unsinniges im Internet und besonders der populärwissenschaftlichen Literatur geschrieben steht. Die Crux fängt schon damit an, dass in der Literatur willkürlich die Begriffe Laetrile, Amygdalin und Vitamin B17 als Synonyme verwendet werden, was sie aber keineswegs sind!

Amygdalin (vom griechischen Wort amygdálē “Mandel”), Summenformel C20H27NO11, ist ein Glykosid, das ursprünglich von den Früchten des Baumes Prunus dulcis, auch bekannt als bittere Mandeln, von Pierre-Jean Robiquet und A. F. Boutron-Charlard 1830 isoliert, und anschließend von Liebig und Wöhler, ebenfalls schon 1830, untersucht wurde. Auch andere Prunus Spezies, einschließlich der Aprikose (Prunus armeniaca) und Schwarzkirsche (Prunus serotina), enthalten Amygdalin.

Amygdalin sollte nicht mit Laevo-mandelonitril-beta-glucuronosid, in der Kurzform auch als Laetrile bezeichnet, verwechselt werden; es sind verschiedene chemische Verbindungen. Laetrile wurde in den 1950er Jahren in den USA von Ernst T. Krebs patentiert; es ist eine halbsynthetische Verbindung, die mit dem Amygdalin einige Strukturen gemeinsam hat. Patentiert wurde Laetrile von Krebs zuerst als Konservierungsmittel für Fleisch, erst später wurde es durch den umstrittenen Krebs als Antitumormittel propagiert; Laetrile made in Mexiko, wo heute fast ausschließlich die Kliniken liegen, die noch mit Laetrile arbeiten, ist nahezu ausschließlich D-Amygdalin, das natürliche Produkt, das aus Aprikosenkernen erhalten wird, oder Neoamygdalin, das L-Enantiomer (L-Mandelonitril-β-D-gentiobiosid).

Gängigerweise wird Amygdalin bzw. Latrile auch als Vitamin, „Vitamin B17„, verkauft; auch dieser Anspruch geht schon auf Krebs zurück, aber es ist kein Vitamin. Denn Vitamine sind ihrer Definition nach organische Substanzen, die der Organismus für lebenswichtige Funktionen braucht, aber nicht selbst (bedarfsdeckend) herstellen kann; für keine essentielle Körperfunktion ist Laetrile nach dem heutigen Stand der Wissenschaft allerdings nötig.

Krebs Hoffnung war, Amygdalin/Laetrile würde, als Vitamin deklariert, als Nahrungsergänzungsmittel klassifiziert, und damit nicht unter die strengen US-Arzneimittelgesetze fallen. Ernst T.Krebs war immer sehr umtriebig, das kann neutral gesagt werden, und er wollte sicherlich auch am enormen Vitaminboom der 50 Jahren teilhaben. Die Familie Krebs zeichnet sich generell durch eine bemerkenswerte Geschäftstüchtigkeit aus und ihre wissenschaftliche Lebensläufe sind ebenso wenig eindeutig wie ihre propagierten Produkte.

Ernst T. Krebs, Sr.—Laetrile’s „Großvater“—arbeitete als Apotheker und erhielt ein Diplom in Medizin 1903. Während der Grippe-Epidemie von 1918 kam er zu der Überzeugung, dass eine alte indianische Naturarznei, gewonnen aus Petersilie, wirksam gegen die Grippe sei. Er gründete eine Firma und bewarb seine Arznei als Sirup Leptinol, das neben der Grippe geschickterweise gleich gegen viele zeitgenössische Plagen wie Asthma, Tuberkulose und Pneumonie wirksam sein sollte. Schon in den frühen 1920er Jahren wurde der pharmazeutische Anspruch dieses Sirups Leptinol von der FDA (Food and Drug Administration, die US Arzneimittelbehörde) bereits als falsch und nicht zutreffend eingestuft. In den 1940 Jahren propagierte Krebs Sr. Mutagen, eine Enzymmischung, die Chemotrypsin enthielt, und angeblich erneut gegen Krebs wirksam sein sollte. Er und sein Sohn patentierten und propagierten ebenso Pangamsäure, chemisch korrekt D-Gluconsäure,6-[bis[bis(1-methylethyl)amino]acetat](9CI) (später Vitamin B15 genannt), das gegen Herzkrankheiten, Krebs, und viele andere ernste Krankheiten wirksam sein sollte. Krebs Sr. starb 1970 im Alter von 94 Jahren.

Ernst T.Krebs, Laetriles Vater, wird in der Literatur oft als Dr. Krebs bezeichnet, obwohl er keinen anerkannten Doktortitel erworben hat. Er hat das Hahnemann Medical College in Philadelphia von 1938 bis 1941 besucht, wurde aber von der Schule verwiesen, nachdem er sein erstes Studienjahr wiederholen musste und an seinem zweiten Studienjahr scheiterte. Danach besuchte er Kurse an 5 verschiedenen Colleges, erreichte aber nur geringe akademische Vorgrade oder gar keine Abschlüsse in seinen Kursen. 1942 erwarb er schließlich einen Bachelor of Arts der University of Illinois. 1973 wurde ihm, nachdem er eine einstündige Vorlesung über Laetrile gegeben hat, der Doktor der Wissenschaft vom American Christian College, einem kleinen Bibelkolleg in Tulsa, Oklahoma, verliehen. Die Schule, die vom Evangelisten Billy James Hargis gegründet wurde, hatte keine wissenschaftliche Abteilung und keinerlei wissenschaftliche Autorität und Berechtigung, irgendein medizinisches Diplom geschweige denn Doktortitel zu verleihen.

Lebenslauf übersetzt nach: The rise and fall of laetrile, Benjamin Wilson, M.,D. http://www.quackwatch.com/01QuackeryRelatedTopics/Cancer/laetrile.html

Einsatz als Krebsmittel

Laetrile wurde schon 1845 in der Krebstherapie in Russland (The laetrile controversy. In: Moss RW: The Cancer Industry: The Classic Expose on the Cancer Establishment. Brooklyn, NY: First Equinox Press, 1996, pp 131-52) und 1920 in den USA eingesetzt, aber als zu toxisch eingestuft (Curt GA: Unsound methods of cancer treatment. Princ Pract Oncol Updates 4 (12): 1-10, 1990, (http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/cam/laetrile/patient/allpages#Section_20)
Es finden sich Berichte, wonach es ebenfalls als Antitumormittel in Deutschland 1892 untersucht, aber als ineffektiv und zu toxisch für diesen Zweck verworfen worden sei. Literaturstellen waren dazu aber nicht aufzufinden. Laetrile kann eine lange Geschichte der weltweiten Anwendung in der Krebstherapie aufweisen. Es sind zahlreiche Einzelbeschreibungen vorhanden, allerdings wurden nur zwei klinische Studien bislang veröffentlicht ( Moertel CG, Fleming TR, Rubin J, et al.: A clinical trial of amygdalin (Laetrile) in the treatment of human cancer. N Engl J Med 306 (4): 201-6, 1982; Moertel CG, Ames MM, Kovach JS, et al.: A pharmacologic and toxicological study of amygdalin. JAMA 245 (6): 591-4, 1981).

Eine kontrolliert-randomisierte Studie (eine Studie mit einer Referenzgruppe, das lediglich ein Placebo erhält) ist gar noch nie unternommen worden. Das Fehlen eindeutiger medizinischer Dokumentationen der Krebsdiagnose, die Verwendung kombinierter Therapien zusammen mit Laetrile, die Unterschiede der Dosierungen und Therapiedauer kompliziert überdies die Evaluation der Daten. In einer 1962 veröffentlichten Fallstudie wurden die Befindlichkeiten von 10 Patienten mit verschiedenen metastatischen Tumoren veröffentlicht (Navarro MD: Five years experience with laetrile therapy in advanced cancer. Acta Unio Int Contr Cancrum 15(suppl 1): 209-21, 1959). Diese Patienten wurden mit einer großen Bandbreite intravenöser Laetriledosen behandelt (Gesamtdosis variierte von 9–133 g). Schmerzlinderung war der am häufigsten beobachtete Vorteil. Einige objektive Resultate (Resultate, die messbar sind und nicht nur dem subjektiven Empfinden des Patienten entsprechen), wie verminderte Adenopatie (geschwollene Lymphknoten) und verminderte Tumorgrößen wurden ebenfalls beobachtet. Leider wurde wiederum keine Langzeitstudie gemacht, so dass nicht gesagt werden kann, ob diese Begünstigungen nach Ende der Therapie anhielten oder wieder verschwanden. Eine weitere Fallstudie mit 44 Krebspatienten, die 1953 veröffentlicht wurde, fand allerdings keinerlei objektive Wirksamkeit von Laetrile. Alle Patienten mit beschriebenen Tumorverkleinerungen in dieser Fallstudie bekamen gleichzeitig noch Bestrahlung oder Chemotherapie. Deshalb ist es unmöglich zu sagen, welche Behandlung nun zur Verbesserung führte (Cancer Commission of the California Medical Association.: The treatment of cancer with „laetriles“. Calif Med 78 (4): 320-26, 1953).

Benzaldehyd, eines der Laetrile-Metabolite im menschlichen Organismus, wurde ebenfalls auf seine Antikrebswirkung hin untersucht. Zwei klinische Serien berichteten ein Anzahl von Fällen, in denen Patienten mit fortgeschrittenen Tumoren, bei denen eine Standardtherapie versagte, auf Benzaldehyd angesprochen haben (Kochi M, Takeuchi S, Mizutani T, et al.: Antitumor activity of benzaldehyde. Cancer Treat Rep 64 (1): 21-3, 1980; Kochi M, Isono N, Niwayama M, et al.: Antitumor activity of a benzaldehyde derivative. Cancer Treat Rep 69 (5): 533-7, 1985).

In der ersten Serie wurde von 59 Patienten, die oral oder rektal Beta-cyclodextrin- benzaldehyd erhalten haben, 19 vollständiges und 10 partielles Ansprechen auf Benzaldehyd berichtet; leider wurden nur von 2 Patienten präzise Ansprechdauer dokumentiert. Eine andere Serie derselben Autoren verwendete 4,6-Benzyliden-alpha-D-glucose, ein intravenöser Metabolit von Benzaldehyd: In dieser Serie wurde von 7 vollständigem und 29 partiellem Ansprechen von 65 Patienten berichtet, wobei die Dauer mit 1.5 bis 27 Monaten angegeben wurde. Es wurde über keinerlei Toxizität berichtet, und außerdem darüber, dass das Ansprechen so lange andauerte, wie die Behandlung fortgesetzt wurde. Fast alle Patienten dieser zwei Serien wurden vorher mit Chemotherapie oder Radiotherapie behandelt, aber wie lange diese vorherigen Behandlungen bei Beginn der Benzaldehyd-Therapie zurücklagen, wurde nicht spezifiziert.

1977 befasste sich ein Unterkomitee des US Senates unter Vorsitz von Senator Edward Kennedy mit Laetrile. Dr.Richardson von der Laetrile untersützenden Richardson Foundation behauptete als geladener Zeuge, dass die FDA, AMA, NCI, American Cancer Society, die Rockefeller Familie und die grossen Öl und Pharmafirmen alle gegen Laetrile konspirierten. Laetrile-Befürworter Robert Bradford saget außerdem aus, dass er einen weiteren Test von Laetrile willkommen hieße, nur „sei die orthodoxe Medizin dazu nicht qualifiziert„ Wie auch immer, Krebs Jr. und Richardson waren nicht in der Lage, sich auf eine gemeinsame Formel von Laetrile zu einigen. Senator Kennedy schloss nach Ende der Anhörungen, dass die Laetrile-Führer „raffinierte Verkäufer seien, die falsche Hoffnungen verkauften„ („slick salesmen who would offer a false sense of hope)“. Die New York Times kommentierte, dass die Laetrile-Befürworter von den Senatoren „mit einer Mischung von Amüsement und Verachtung„ („with a blend of amusement and contempt“) angesehen wurden.

1978 forderte das National Cancer Institute (NCI) der USA Berichte von Personen im Gesundheitswesen an, die glauben, dass ihre Patienten durch Laetrile-Behandlung profitierten ( Newell GR, Ellison NM: Ethics and designs: laetrile trials as an example. Cancer Treat Rep 64 (2-3): 363-5, 1980 Feb-Mar.) Briefe wurden an 385.000 Ärzte und weitere 70.000 im Gesundheitswesen Beschäftigte in den USA geschrieben, um Einzelfälle von Krebspatienten zu erhalten, die mit Laetrile erfolgreich behandelt wurden. Zusätzlich wurden bei vielen Pro-Laetrile-Gruppen um Informationen bezüglich erfolgreich behandelter Patienten ersucht. Schätzungen zufolge wurden mindestens 70.000 Amerikaner mit Laetrile behandelt – aber nur 93 Fälle insgesamt wurden eingereicht. 26 dieser Berichte entbehrten jeglicher verwertbarer Dokumentation. Die verbliebenen 68 Fälle wurden blind mit weiteren 68 Fällen, in denen Chemotherapie angewandt wurden, einem Expertenkomitee übergeben; auf diese Weise konnte das Komitee nicht wissen, welcher Patient Chemotherapie erhalten hatte und welcher mit Laetrile behandelt wurde. Das Komitee kam zum Schluss, dass 2 Laetrile-Fälle ein komplettes Verschwinden des Tumors aufzeigten, 4 eine partielle Verbesserung und bei den restlichen 62 Fällen konnte kein messbares Ansprechen auf Laetrile beobachtet werden. Es wurde nicht untersucht, ob die Patienten, bei denen Laetrile gewirkt hat, wirklich existierten. Das Komitee kam zu dem Schluss: „The results allow no definite conclusions supporting the anti-cancer activity of Laetrile.“ (Die Resultate erlauben keine definitive Schlussfolgerung, die die Antikrebswirkung von Laetrile unterstützten) Obwohl die NCI Briefe nicht dazu aufriefen, negative Erfahrungen ebenfalls zu berichten, schickten 220 Ärzte Daten von mehr als 1000 Patienten zu, die ebenfalls mit Laetrile behandelt wurden, aber keinerlei Erfolg zeigten (Ellison NM, Byar DP, Newell GR: Special report on Laetrile: the NCI Laetrile Review. Results of the National Cancer Institute’s retrospective Laetrile analysis. N Engl J Med 299 (10): 549-52, 1978).

Auf der Basis dieser Resultate und der 6 Hinweise eines Ansprechens, finanzierte die NCI Phase I und Phase II-klinischen Studien mit Laetrile.

Die Phase I Studie mit 6 Patienten war dazu gedacht, die Dosen und Verabreichungsbedingungen zu untersuchen. Die Forscher fanden, dass oral und intravenös verabreichtes Amygdalin nur minimale Toxizität aufwies; währenddessen 2 Patienten, die rohe Mandeln während der oralen Therapie zu sich nahmen, Symptome einer Cyanidvergiftung aufzeigten (Moertel CG, Ames MM, Kovach JS, et al.: A pharmacologic and toxicological study of amygdalin. JAMA 245 (6): 591-4, 1981).

Die Phase II Studie wurde im Juli 1980 an 178 Krebspatienten, die Laetrile, Vitamine und Enzyme an der US Mayo Clinic und drei anderen führenden Krebszentren erhielten, durchgeführt und war dazu gedacht, zu untersuchen, welche Tumorarten am besten auf Amygdalin ansprechen. Die meisten Patienten hatten Brust-, Kolon (Darmkrebs) oder Lungenkrebs. Um eine aussagekräftige Studie zu erhalten, wurde darauf geachtet, dass die Patienten noch bei relativ guter körperlicher Verfassung waren und außerdem während mindestens einem Monat keinerlei anderer Behandlung erfahren hatten (Moertel CG, Fleming TR, Rubin J, et al.: A clinical trial of amygdalin (Laetrile) in the treatment of human cancer. N Engl J Med 306 (4): 201-6, 1982). Da sich die verschiedenen Laetrile-Vertreter nicht über die Formel und optimale Anwendungsdosis einig waren, nahm das NCI ein Präparat, das in der Zusammensetzung der des größten mexikanischen Laetrile-Vertreibers, American Biologics, übereinstimmte. Diese Anwendung wurde von der NCI zur Verfügung gestellt und durch mehrere Test verifiziert. Die Dosis der Laetrile-Anwendungen entsprach den von Krebs Jr. und der Bradford Foundation, einer US Laetrile-Befürworter-Gesellschaft, publizierten Enpfehlung ( Davignon JP, Trissel LA, Kleinman LM: Pharmaceutical assessment of amygdalin (Laetrile) products. Cancer Treat Rep 62 (1): 99-104, 1978). Amygdalin wurde intravenös über einen Zeitraum von 21 Tagen verabreicht, danach schloss sich eine orale supportive Therapie an, mit Dosen und Verabreichung wie in Phase I, an. Vitamine und Pankreasenzyme wurden ebenfalls als Teil des metabolischen Therapieprogrammes verabreicht, das eine Diät mit einschloss (wenig Koffein, Eier, Zucker, Fleisch und Alkohol). Eine kleine Gruppe der Patienten erhielt höhere Amygdalin- und Vitamindosen zur Kontrolle. Die Patienten wurden untersucht bis ein Ansprechen beobachtbar war, das sich entweder als Krebsfortschritt, hohen Blutcyanidwerten oder starkem klinischen Verfall äußerte. Von den untersuchten 178 Patienten konnte nur ein einziger als Erfolg bewertet werden. Dieser Patient mit Magenkrebs und Halslymphknotenmetastasen erfuhr eine teilweise Verbesserung, die während der 10 monatigen Behandlung anhielt. 54 % der Patienten erfuhren weiteres Tumorwachstum nach Ende der intravenösen Behandlung und alle Patienten zeigten messbare Tumorvergrößerungen 7 Monate nach Ende der intravenösen Therapie. 7 % berichteten über eine Verbesserung ihres körperlichen Zustands (tägliche Aufgaben fielen ihnen leichter) während eines Zeitpunktes der Therapie, und 20 % berichteten über Symptomlinderungen. In den meisten Patienten hielten diese Verbesserungen indes nicht an. Die Blutcyanidwerte waren nach Ende der intravenösen Therapie nicht erhöht, sehr wohl aber nach Ende der oralen Gaben.

Die Resultate der Studie waren augenscheinlich niederschmetternd und eindeutig. Kein einziger Patient wurde geheilt oder auch nur stabilisiert. Die durchschnittliche Überlebensrate betrug 4.8 Monate vom Start der Therapie, und bei den Patienten, die nach 6 Monaten immer noch lebten, hatte sich der Tumor vergrößert. Das war dasselbe Resultat das man statistisch erwarten würde, wenn keinerlei Behandlung erfolgt. Das Resume der Studie lautete wie folgt:
Laetrile has had its day in court. The evidence, beyond reasonable doubt, is that it doesn’t benefit patients with advanced cancer, and there is no reason to believe that it would be any more effective in the earlier stages of the disease . . . The time has come to close the Boocks. (Laetrile hatte seine Chance sich zu beweisen. Es ist offensichtlich, dass es bei Patienten mit fortgeschrittenem Tumor keinerlei Vorteil erbringt, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es bei Tumoren in früheren Stadien wirksamer wäre…. Es ist die Zeit gekommen, das Buch zu schließen.)

Bradford und American Biologics beantworteten das Resultat mit drei Gerichtsverfahren gegen das National Cancer Institute, in denen sie dagegen klagten, dass sie aufgrund dieser Studie massive Einbußen bei ihren Laetrile-Umsätzen mit immensen finanziellen Schäden erlitten hätten. Alle drei Gerichtsverfahren wurden abgewiesen. Es gibt heute fast keinen US-amerikanischen Laetrilehersteller und Vertreiber mehr, dennoch wird es noch immer vor allem in Kliniken in Mexiko und durch das Internet vertrieben.

Unterschiede in den verschiedenen vertriebenen Laetrile-Zubereitungen aus Mexiko, dem Hauptlieferanten, wurden dokumentiert. Falsche Produktbezeichnungen wurden gefunden, mit Bakterien und anderen Substanzen kontaminierte Proben wurden identifiziert (Davignon JP, Trissel LA, Kleinman LM: Pharmaceutical assessment of amygdalin (Laetrile) products. Cancer Treat Rep 62 (1): 99-104, 1978; Davignon JP: Contaminated laetrile: a health hazard. N Engl J Med 297 (24): 1355-6, 1977).

Bei einem Vergleich von in den USA und Kanada hergestellten Produkten wurden Unterschiede in den chemischen Zusammensetzungen gefunden, und keines der Produkte zeigte irgendeine Wirksamkeit in der Bekämpfung kultivierter menschlicher Krebszellen (Levi L, French WN, Bickis IJ, et al.: Laetrile: a study of its physicochemical and biochemical properties. Can Med Assoc J 92: 1057-61, 1965).

Ein Review aus dem Jahre 2006 kam nach der Untersuchung von 36 Studien zum Ergebnis, dass in keiner einzigen der 2006 zur Verfügung stehenden Arbeiten ein Hinweis für eine mögliche Wirkung gegen Krebs beim Menschen nachweisbar war (Milazzo, S. et al. (2006): Laetrile for cancer: a systematic review of the clinical evidence. Supportive Care in Cancer. 15(6), S. 583–595) Diese Übersichtsarbeit war auch für andere Organisationen Anlass, letzte Hoffnungen einer Wirksamkeit von Laetrile aufzugeben. Dr. Veronika Carstens schreibt im Heft „Natur und Medizin“: „Zu Vitamin B17 habe ich in unserer Stiftung recherchieren lassen. Die Wirksamkeit von Laetrile ist 2006 in einer Übersichtsarbeit zu 30 Einzelstudien untersucht worden. Man kam zu dem Schluss, dass kein Nutzen von dieser Substanz in der Prophylaxe und Behandlung von Krebs zu erwarten sei…. Wir müssen feststellen, dass positive Einzelfallbeobachtungen, wie sie in dem Buch von Philip Day beschrieben werden, und wissenschaftliche Studien im Widerspruch stehen. (http://www.naturundmedizin.de, Vitamin B17 in der Krebstherapie, 3 (2009))

Wirkmechanismus

Es wird davon ausgegangen, dass Cyanid das hauptsächliche antitumorwirksame Prinzip des Laetrile sei; diese Annahme wird gleichermaßen von Befürwortern wie Gegnern gemacht. Wenn Amygdalin mit dem Enzym Beta-Glucosidase reagiert, entsteht letztendlich Benzaldehyd, Blausäre HCN und Glucose (Chandler RF, Anderson LA, Phillipson JD: Laetrile in perspective. Can Pharm J 117 (11): 517-20, 1984; Newmark J, Brady RO, Grimley PM, et al.: Amygdalin (Laetrile) and prunasin beta-glucosidases: distribution in germ-free rat and in human tumor tissue. Proc Natl Acad Sci U S A 78 (10): 6513-6, 1981. )

Vier verschiedene Theorien wurden aufgestellt, um die angebliche Wirksamkeit von Amygdalin zu erklären: Die erste dieser Theorien stützt sich auf die sogenannte trophoblastische Krebstheorie, nach der jeder Krebs durch primoridale (ursprüngliche) Keimzellen (Trophoblasten) entsteht (also Zellen, die sich unter normalen Bedingungen zu Eiern bzw. Spermien entwickeln würden). Einige dieser Zellen wanderten durch den Körper während der embryonischen Entwicklung und befänden sich deshalb nicht nur in den Hoden oder Ovarien. Die Theorie postuliert weiter, dass die Umwandlung dieser ursprünglichen Keimzellen zu Krebszellen normalerweise durch Pankreasenzyme verhindert wird, und deshalb Krebs durch Pankreasenzymsupplemente und Laetrile verhindert werden kann. Diese Theorie stammt von Krebs persönlich und ist nicht weit anerkannt (Krebs ET Jr, Krebs ET Sr, Beard HH: The unitarian or trophoblastic thesis of cancer. Med Rec 163 (7): 149-74, 1950; Ellison NM: Unproven methods of cancer therapy. Drug Ther (NY) 10(July): 73-82, 1980). Der Sinn, Laetrile zu verwenden, besteht darin, dass behauptet wird, maligne Zellen besäßen höhere Beta-Glucuronidaselevel (nicht zu verwechseln mit der vorher erwähnten Beta-Glucosidase) als normale Zellen und gleichzeitig einen Mangel an einem andere Enzym, Rhodanese (Thiosulfat Sulfurtransferase) genannt. Es wird weiterhin postuliert, dass Laetrile in der Leber modifiziert, von der Beta-Glucuronidase aufgebrochen wird und Blausäure entsteht. Rhodanese kann das Cyanid in das harmlose Thiocyanat umwandeln. Zusammengefasst wird angenommen, dass Krebszellen aufgrund dieses Ungleichgewichts der beiden genannten Enzyme empfindlicher auf die toxischen Effekte von Laetrile reagieren als normale Zellen (Ross WE: Unconventional cancer therapy. Compr Ther 11 (9): 37-43, 1985; Ellison NM: Unproven methods of cancer therapy. Drug Ther (NY) 10(July): 73-82, 1980; Unproven methods of cancer management. Laetrile. CA Cancer J Clin 22 (4): 245-50, 1972 Jul-Aug.; Navarro MD: Five years experience with laetrile therapy in advanced cancer. Acta Unio Int Contr Cancrum 15(suppl 1): 209-21, 1959; Morrone JA: Chemotherapy of inoperable cancer: preliminary report of 10 cases treated with laetrile. Exp Med Surg 20: 299-308, 1962).

Für diese Theorie gibt es aber keinerlei Bestätigung; es gibt keinerlei Hinweise oder experimentelle Befunde, dass maligne Zellen und normale Zellen unterschiedliche Konzentrationen von Beta-Glucuronidase und Rhodanese aufweisen (Gal EM, Fung FH, Greenberg DM: Studies on the biological action of malononitriles, II: distribution of rhodanese (transulfurase) in the tissues of normal and tumor-bearing animals and the effect of malononitriles thereon. Cancer Res 12: 574-79, 1952. Conchie J, Findlay J, Levvy GA: Mammalian glycosidases: distribution in the body. Biochem J 71: 318-25, 1959. )

Die zweite Theorie behauptet, dass Krebszellen eine größere Beta-Glucosidase-Aktivität aufweisen als normale Zellen und dass sie, wie in der ersten Theorie auch angenommen, einen Rhodanesemangel aufwiesen (Dorr RT, Paxinos J: The current status of laetrile. Ann Intern Med 89 (3): 389-97, 1978; Curt GA: Unsound methods of cancer treatment. Princ Pract Oncol Updates 4 (12): 1-10, 1990; Ellison NM: Unproven methods of cancer therapy. Drug Ther (NY) 10(July): 73-82, 1980; Greenberg DM: The case against laetrile: the fraudulent cancer remedy. Cancer 45 (4): 799-807, 1980; Unproven methods of cancer management. Laetrile. CA Cancer J Clin 22 (4): 245-50, 1972 Jul-Aug. )Laborstudien zeigten aber, dass diese Behauptung nicht aufrechterhalten werden kann. Wie schon gesagt wurde, besitzen normale Zellen und Krebszellen gleiche Rhodanesegehalte. Außerdem besitzen die meisten Säugetierzellen nur geringe Beta-Glucosidase Spuren und dieses Enzym wurde in Krebsproben oder dem menschlichen Blut überhaupt nicht gefunden (Gal EM, Fung FH, Greenberg DM: Studies on the biological action of malononitriles, II: distribution of rhodanese (transulfurase) in the tissues of normal and tumor-bearing animals and the effect of malononitriles thereon. Cancer Res 12: 574-79, 1952; Conchie J, Findlay J, Levvy GA: Mammalian glycosidases: distribution in the body. Biochem J 71: 318-25, 1959; Newmark J, Brady RO, Grimley PM, et al.: Amygdalin (Laetrile) and prunasin beta-glucosidases: distribution in germ-free rat and in human tumor tissue. Proc Natl Acad Sci U S A 78 (10): 6513-6, 1981; Biaglow JE, Durand RE: The enhanced radiation response of an in vitro tumour model by cyanide released from hydrolysed amygdalin. Int J Radiat Biol Relat Stud Phys Chem Med 33 (4): 397-401, 1978; Curt GA: Unsound methods of cancer treatment. Princ Pract Oncol Updates 4 (12): 1-10, 1990). Ohne ausreichende Beta-Glucosidaselevel ist es aber schwierig anzunehmen, dass intravenös verabreichtes Amygdalin in der Krebszelle aufgebrochen wird.

Die dritte Theorie besagt, dass Krebs das Resultat eines metabolischen Ungleichgewichts sei, das durch Vitaminmangel verursacht wird. Weiterhin wird behauptet, dass es Laetrile, das Vitamin B-17 sei, das fehlt, um die körperliche Gesundheit wieder herzustellen (Lit.: Unproven methods of cancer management. Laetrile. CA Cancer J Clin 22 (4): 245-50, 1972 Jul-Aug.,; Lerner IJ: Laetrile: a lesson in cancer quackery. CA Cancer J Clin 31 (2): 91-5, 1981 Mar-Apr; Lerner IJ: The whys of cancer quackery. Cancer 53 (3 Suppl): 815-9, 1984; Shils ME, Hermann MG: Unproved dietary claims in the treatment of patients with cancer. Bull N Y Acad Med 58 (3): 323-40, 1982).

Es gibt durch langjährige Ernährungsstudien tatsächlich wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Vitaminmangelzustand die Ausbildung von Krebs begünstigen kann, aber es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Laetrile von einem normalen Metabolismus für irgendeine Funktion benötigt werde oder dieses als Vitamin wirke, weder bei Tieren noch beim Menschen (Lit.: Young VR, Newberne PM: Vitamins and cancer prevention: issues and dilemmas. Cancer 47 (5 Suppl): 1226-40, 1981; Jukes TH: Laetrile struggles. Nature 263 (5578): 543, 1976.)

Die vierte Theorie geht davon aus, dass die Blausäure, die durch Amygdalin intermediär freigesetzt wird, einen toxischen Effekt über ihre Interaktionen mit dem Sauerstoffhaushalt der Zelle hat. Nach dieser Theorie erhöht die Blausäure den Säuregehalt des Tumors und führt zur Zerstörung von Lysosomen (das sind Zellbestandteile, die Enyzme mit der Fähigkeit besitzen, andere Zellmoleküle aufzubrechen). Die verletzten Lysosome setzen ihren Inhalt frei und töten dadurch die Krebszellen und verhindern das Tumorwachstum. (Lit.: , Greenberg DM: The case against laetrile: the fraudulent cancer remedy. Cancer 45 (4): 799-807, 1980). Gleichzeitig werde das Immunsystem noch stimuliert. Auch dies ist reine Theorie, für die es bislang keinerlei experimentelle Bestätigung gibt.

Übersetzt nach http://www.cancer.gov/cancertopics/pdq/cam/laetrile/HealthProfessional/page3

Toxizität von Laetrile und Amygdalin

Schon in der Studie von Moertel wurde betont, dass von den Autoren Cyanidlevel gemessen wurden, die nahe an letale Dosen heranreichen. In der Literatur wurden mehrere Todesfälle durch Einnahme bitteren Aprikosenkerne beschrieben (Über eine tödliche Blausäurevergiftung nach dem Genuß bitterer Mandeln (Prunus Amygdalus); W. K. Pack, H. W. Raudonat und K. Schmidt, Institut für Rechtsmedizin, Frankfurt a.Main, International Journal of Legal Medicine ,Volume 70, Number 1, 53-54, DOI: 10.1007/BF00200443 bzw. Z.Rechtsmedizin 70, 53-54, 1972) Befürworter der Amygdalintherapie verweisen darauf, dass Cyanidvergiftungen nicht auftreten sollten, da die Cyanidbindung nicht wie bei der Kaliumcyanid (Cyankali) ionisch, sondern kovalent vorliege; es könne so nicht durch bloße Hydrolyse im Magen Blausäure freigesetzt werden. Es ist in der Tat so, dass beide Verbindungen chemisch nicht vergleichbar sind. Nur wird Amygdalin in vivo eingesetzt und nicht in vitro. Únter in vivo Bedingungen sind aber durch enzymatische Reaktionen durchaus Cyanidfreisetzungen möglich, und zwar auf folgendem Wege:

Das Glykosid wird nach Aufhebung der Zellkompartimentierung durch das in den Samen enthaltene Enzym-Gemisch Emulsin stufenweise in zwei Mol Glucose, Benzaldehyd und Blausäure (HCN) gespalten. Hierbei erfolgt zunächst die Hydrolyse von Amygdalin zu Prunasin und einem Mol Glucose durch die Amygdalase (β-Glucosidase A, Amygdalin-β-Glucosidase, EC 3.2.1.117). Im zweiten Schritt wird Prunasin durch eine Prunasin-Hydrolase (β-Glucosidase B) unter Freisetzung des zweiten Glucose-Rests zum Mandelsäurenitril gespalten, das dann durch die Mandelonitril-Lyase (Prunase, EC 4.1.2.10) zu Benzaldehyd und Blausäure umgesetzt wird… LD50 (Maus p.o.) 880 mg/kg (aus RÖMPP, Chemielexikon)

Nun ist die eigentliche Frage, ob reines Amygdalin, also ohne die im Samen enthaltenen Enzyme, ebenfalls im Körper enzymatisch gespalten werden kann, z.b. wenn es injiziert wird. Die Berichte darüber sind nicht eindeutig. Bei Einnahme von bitteren Aprikosenkernen sollte beachtet werden, dass auch andere pflanzliche Substanzen, die mit, vor oder nach den Aprikosenkernen eingenommen werden, zahlreiche Enzyme enthalten, deren Wirkung auf Amygdalin noch weitgehend unerforscht ist.

Angesichts der negativen Ergebnisse der Studien wurde Laetrile von der amerikanischen FDA nicht zugelassen. Es drohen Gefängnisstrafen für Verkäufer und Propagandisten von Laetrile, das als „hochtoxisches Produkt, das keinerlei Effekt in der Krebsbekämpfung gezeigt hat“ eingestuft wird.

In Regionen, in denen Aprikosenkernzubereitungen regulär gegessen werden, wird durch die Zubereitungstechnik der Amygdalingehalt gesenkt. Werden diese Zubereitungstechniken nicht genau eingehalten, kann es zu tödlichen Vergiftungsfällen kommen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Warnhinweise auf bitteren Aprikosenkernverpackungen für dringend nötig: http://www.innovations-report.de/html/berichte/medizin_gesundheit/bericht-85543.html
Eine Stellungnahme Nr.014/2007 des BfR vom 03.Mail 2007 (Verzehr von bitteren Aprikosenkernen ist gesundheitlich bedenklich) kann nachgelesen werden unter: http://www.bfr.bund.de/cm/208/verzehr_von_bitteren_aprikosenkernen_ist_gesundheitlich_bedenklich.pdf
Nun ist die Feststellung, das manche Menschen Aprikosenkerne ohne nennenswerte Nebenwirkungen in Konzentrationen vertragen, die bei anderen letal sind bzw. starke Vergiftungserscheinungen hervorrufen, kein Indiz für eine Ungefährlichkeit. Es gibt auch Menschen, die Alkohollevel vertragen, die bei andere zu Vergiftungen führen. Im übrigen variiert auch das subjektive Empfinden von toxischen Reaktionen wie Schwindel etc. stark. Objektiv hängt es außerdem von vielen Faktoren, wie Körpergewicht, Blutmenge und vielen anderen individuellen Faktoren wie Enzymlevel und Stoffwechsel etc,. ab, und ist kein Grund für einen Freispruch. Im Zweifelsfall für den Angeklagten gilt in der Rechtssprechung, im Zweifelsfall für den Patienten muss in der Medizin gelten. Nimmt man Laetrile zusätzlich zu einer konventionellen Therapie ein, sollte man sich auch über mögliche Nebenreaktionen im klaren sein. Bei Schilddrüsenkrebs kann es z.B. sein, dass durch den Verzehr von Aprikosenkernen verhindert wird, dass die Schilddrüsenkrebszellen das radioaktive Jod aufnehmen. Denn beim übermäßigen Verzehr von cyanogenen Pflanzen, kommt es in Folge zu einer gesteigerten Thiocyanat (SCN-)-Bildung. Dieses Thiocyanat blockiert dann den Na+-Anionencarrier, der für den Transport des Jods in die Schilddrüsenkrebszellen zuständig ist. Der Erfolg einer Radiojodtherapie kann dadurch eingeschränkt werden.

Rechtliche Fragen

Auf das Fehlen klinischer Belege der Wirksamkeit und einer entsprechenden Zulassung für das Produkt „Laetrile“ hat die US-amerikanische FDA im Jahre 2000 hingewiesen. Herstellung und Vertrieb von Amygdalinprodukten waren deswegen einzustellen. Schon 1977 verbot die FDA den interstaatlichen Verkehr von Laetrile und Amygdalin. Danach erlaubten allerdings 27 US-Staaten den Gebrauch von Laetrile innerstaatlich. Der Vertrieb zwischen den einzelnen Bundestaaten bleibt allerdings verboten. So wurde im Jahr 2000 Jason Vale, Präsident einer Firma, die Laetrile vertrieb, vor Gericht gebracht, und 2003 zur 36 Monaten Gefängnisstrafe verurteilt; im Juli 2000 Kenneth N.Michaels (Holistic Alternatives, Ohio) verurteilt (Barrett S. Laetrile spammers facing $631,585 penalty. Quackwatch, Sept 9, 2000; Lewis C. Online laetrile vendor ordered to shut down. Quackwatch, Nov 28, 2003; Licking County man and his company man and his company indicted for distributing laetrile and hydrazine sulfate. U.S. Justice Department news release, July 18, 2000; FDA takes action against firms marketing unapproved drugs. FDA Talk paper, T00-39, Sept 6, 2000). In Deutschland sind keine zugelassenen oder anderweitige verkehrsfähigen Präparate auf dem Markt und Amygdalin wird von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker als bedenklicher Stoff eingestuft. In einigen Staaten ist Laetrile legal erhältlich, in anderen wird es stillschweigend geduldet.

 Bedenkliche Arzneistoffe dürfen nach Paragraph 5 des Arzneimittelgesetzes (AMG) nicht in Verkehr gebracht werden. Eine Abgabe ist somit für Amygdalin selbst dann unzulässig, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt. Denn das AMG genießt als Gesetz in der rechtlichen Priorität Vorrang vor dem Verordnungsrecht, nach dem eine ärztliche Verschreibung von der Apotheke laut Paragraph 17 der Apothekenbetriebsordnung unverzüglich zu beliefern ist. Dies wird auch durch den Bezug auf die Therapiefreiheit des Arztes nicht in Frage gestellt. Hiervon bis auf weiteres ausgenommen ist eine Apotheke aus Hannover, da eine von der zuständigen Apothekerkammer ausgesprochene Verbotsverfügung durch ein Gericht wegen Rechtswidrigkeit aufgehoben wurde. Mit diesem Gerichtsurteil vom 31. Mai 2007 (AZ 11 LB 350/05) (Original-Gerichtsurteil vom Niedersächsischen Oberverwaltungsgericht (AZ 11 LB 350/05) zu einem Amygdalin-Rezepturarzneimittel aus Hannover) durch das Niedersächsische Oberverwaltungsgericht (11. Senat) hat eine Apotheke in Hannover-Mitte erfolgreich gegen das von der Apothekerkammer Niedersachsen erlassene Verbot, Rezepturarzneimittel mit dem Wirkstoff Amygdalin abzugeben, geklagt. Das Urteil ist seit dem 28. August 2007 rechtskräftig und eine Revision wird nicht zugelassen. Das von der Apotheke hergestellte Rezepturarzneimittel wurde von einem durch das Gericht beauftragten Sachverständigen Gutachter untersucht, mit dem Ergebnis, es handele sich um ein pharmazeutisch hochreines Amygdalin, das keine amygdalinspaltenden Enzymaktivitäten mehr enthält und somit eine Abspaltung von Cyanid-Gruppen nicht festzustellen und eine Vergiftung durch die Bildung von Blausäure nahezu ausgeschlossen sei. Von dem Mittel gehe keine gesundheitliche Gefährdung aus (S. 11, S. 16 des Urteils). Der Gutachter führte jedoch an, dass vor der Einnahme gewährleistet sein müsse, dass im Darm des Anwenders keine amygdalin-spaltenden Enzymaktivitäten stattfinden dürfen ( S. 11 des Urteils) Während sich der Gutachter vor allem auf Verunreinigungen in den verarbeiteten Rohstoffen bezog, muss nach wissenschaftlicher Einschätzung auch eine amygdalin-spaltende Enzymaktivität bei den Darmbakterien ausgeschlossen sein. Zur Begründung des Urteils führt das Gericht folgendes aus: Die Untersagungsverfügung der Apothekerkammer im Sinne des § 69 Abs. 1 Nr. 4 AMG sei rechtswidrig (S. 12, S. 13 des Urteils) (obwohl wirksam), da diese sich, zumindest in diesem vorliegenden Fall, nicht auf einen begründeten Verdacht im Sinne des § 5 AMG stützt, sondern auf bloße Vermutungen und Besorgnisse (S. 15, S. 16, S. 22 des Urteils) Die Apothekerkammer, welche die Untersagungsverfügung aussprach, ging von falschen Voraussetzungen zu der Reinheit des verwendeten Wirkstoffs aus und begründete im wesentlichen hiermit die Untersagung. Da der gerichtliche Gutachter jedoch die Verwendung eines hochreinen Wirkstoffs festgestellt hatte, erklärte das Gericht die Untersagungsverfügung als rechtswidrig, da sie sich auf falsche Begründungen stützt ( S. 12, S. 13 des Urteils) Das Gericht billigt der Apothekerkammer bei Untersagungsverfügungen einen Ermessenspielraum zu. Nur sei dieser Spielraum in diesem Fall von der Kammer „nicht zutreffend ausgeübt“ (S. 15 des Urteils) worden. Die in früheren wissenschaftlichen Publikationen und behördlichen Stellungnahmen als bedenklich deklarierten Amygdalinzubereitungen hatten verunreinigtes Amygdalin enthalten und sind insofern nicht vergleichbar mit dem hochreinen Amygdalin, das in der untersagten Arzneimittelrezeptur verarbeitet wurde. Eine generelle Unbedenklichkeit jeglicher Amygdalin-Zubereitung stellt das Gericht jedoch in Abrede und verweist auf die übereinstimmenden Meinungen der Apothekerkammer und des Gerichtsgutachters, die davor warnen, Amygdalin unklarer Herkunft und ungeklärter Reinheit einzunehmen (S.25 des Urteils).

Quelle: Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Amygdalin)

Nicht verschweigen wollen wir Berichte von Einzelpersonen, die über Erfolge mit Laetrile berichten (z.B. http://www.brillenrand.de/ausfuehrlich.html) Diese Berichte sind für uns nicht objektiv nachprüfbar. Einige sind glaubhaft, andere weniger. Einige sprechen von Einnahmen der Kerne, die die als letale Dosis angesehene Konzentration übersteigen, und dennoch angeblich keinen gesundheitlichen Schaden anrichteten. Meist werden diese Erfolge bei Einnahme einer ganzen Armee von alternativen Produkten (Mistelinjektionen, Enzymtherapie etc.) beobachtet, dass letztendlich keine Aussage gemacht werden kann, ob diese Therapien hilfreich sind und wenn ja, welcher Einzelstoff davon das wirksame Prinzip ist.

Laetrile als Medienereignis

Vor allem in den USA gab es zahlreiche Einzelfalldokumentationen von Laetrile, die in den Nachrichten auftauchten. Einer davon war Chad Green, der im Alter von nur 2 Jahren akute lymphozytische Leukämie ausbildete. Obwohl der Krebs schnell mit Chemotherapie zurückgedrängt werden konnte, begannen seine Eltern an ihm eine „metabolische Therapie“ mit Laetrile. Als Chad Zeichen einer Cyanidvergiftung zeigte, schalteten sich die Behörden von Massachusetts ein und verboten eine weitere Gabe von Laetrile. Danach flog Chats Familie nach Mexiko, und Chad wurde dort von Dr.Contreras mit Laetrile weiterbehandelt. Einige Monate später verstarb Chad auf eine Art und Weise, die eine Cyanidvergiftung wahrscheinlich machte. Dr.Contreras dagegen erklärte, dass der Junge an Leukämie gestorben sei, was allerdings ein gutes Beispiel der Wirksamkeit von Laetrile sei, da der Junge einen angenehmeren Tod gestorben sei! Chads Eltern konstatierten, dass der Junge sehr depressiv geworden war weil er seine Großeltern, seine Freunde und seinen Hund vermisste.

Joseph Hofbauer war ein 9 jähriger Junge mit der Hodkinsschen Krankheit. Ungleich zu Chads Eltern erlaubten ihm seine Eltern von Anfang an keinerlei angemessene schulmedizinische Behandlung und bestanden darauf, dass er mit Laetrile und der „metabolischen Therapie“ behandelt werden solle. Sie gingen vor Gericht und bekamen Recht., verweigerten alle Standardtherapien, und Joseph starb an dieser Krankheit 2 Jahre später. Akute lymphozytische Leukämie und Hodkinssche Krankheit weisen eine 95 %ige 5Jahresüberlebensrate mit Chemotherapie auf.

Zentrale Person der Medien ist Dr.Contreras und seine Klinik Oasis of Hope (Oase der Hoffnung) in Mexiko. Sie wurde von Dr.Ernesto Contreras 1963 gegründet und in ihr wurden Contreras eigenen Angaben zufolge mehr als 100.000 Patienten aus 55 Ländern behandelt. Nach seinem Tod übernahm Dr. Francisco Contreras die Leitung der Privatklinik, die er bis dato innehat. 1974 sagte Dr. Contreras aus, dass er 100-120 neue Patienten jeden Monat sehe, und außerdem viele weitere Patienten habe, die immer wieder erneut Laetrile-Behandlungen erfahren. Patienten wurden 1974 mit durchschnittlich 150 $ allein für die monatlichen Laetrile-Medikamente belangt. Contreras gestand zu, dass nur wenige seiner Patienten mit Laetrile „kontrolliert“ wurden, und gab zu, dass 40 % seiner Patienten nicht auf Laetrile ansprachen. Aber von 30 % behauptete er, dass sie „most definite responses“ zeigten. 1979 sagte er aus, dass er 26.000 Krebsfälle in 16 Jahren behandelt habe. Aber als die FDA ihn bat, seine größten Therapieerfolge vorzulegen, übermittelte er lediglich 12 Einzelfälle. 6 dieser Patienten waren mittlerweile an Krebs gestorben, einer hatte konventionelle Krebstherapie benutzt, einer starb an einer anderen Krankheit, nachdem ihm der Krebs operativ entfernt wurde, einer hatte noch immer Krebs, und die anderen drei konnten nicht aufgefunden werden.

Übersetzt nach: The rise and fall of laetrile, Benjamin Wilson, M.,D. http://www.quackwatch.com/01QuackeryRelatedTopics/Cancer/laetrile.html

1980 erfuhr der Hollywoodstar Steve McQueen Aufmerksamkeit, als er in einer mexikanischen Klinik von William D.Kelly mit Laetrile behandelt wurde. Im Dezember 1979, nachdem Steve McQueen schon längere Zeit Schwierigkeiten beim atmen bemerkt hatte, stellten die Arzte die Diagnose: Mesotheliom, eine unheilbare Form des Lungenkrebs, und normalerweise durch Asbestexposition verursacht. McQueen, begeisterter Rennfahrer, sah sich wahrscheinlich durch die Rennanzüge oder Fahrersitze Asbeststaub ausgesetzt. Seine Ärzte gaben ihm eine niederschmetternde Prognose, behandelten ihn aber mit Radiotherapie und Chemotherapie, um den Tumor schrumpfen zu lassen. Die Diagnose hielt er geheim, nur engste Freunde wussten von seiner Krankheit. Aber am 11.März, 1980, veröffentlichte der National Enquirer einen Artikel mit dem Titel: „Steve McQueen’s Heroic Battle Against Terminal Cancer“, was McQueen aber weiterhin nicht davon abhielt, alle Gerüchte abzustreiten. Als seine Ärzte McQueen schließlich mitteilten, dass Sie mit ihren therapeutischen Möglichkeiten am Ende waren, traf sich der Hollywood-Actionheld heimlich mit Dr.William D.Kelley, einem Zahnarzt und Orthodontologen, der mit einem kontrovers diskutierten Therapieansatz angeblich seinen eigenen Pankreaskrebs geheilt hatte. Dr.Kelley war von der American Cancer Society auf die schwarze Liste gesetzt und seine Lizenz war ihm ihn Texas entzogen worden. Aber McQueen interessierte sich mangels anderer Möglichkeiten für seine Therapie, die darauf fundierte, dass Krebs durch Pankreasenzymemangel entstünde und wachse. Im Juli 1980 reiste McQueen heimlich nach Rosarita Beach, Mexiko, um von mexikanischen und amerikanischen Ärzten mit der Dr.Kelley-Therapie behandelt zu werden. Er bekam nicht nur Pankreasenzyme, sondern auch täglich 50 Vitamine und Mineralien, Massagen, Gebetsstunden, Psychotherapie und Injektionen einer Zelllösung, die hauptsächlich aus Rinder- und Schafföten bestand. Als weiterer Therapiebestandteil wurde ihm Laetrile verabreicht. Im Oktober schließlich gab McQueen in der Öffentlichkeit bekannt, dass er in der Tat an einem malignen Mesotheliom litt und sich in Mexiko in Behandlung befinde. Eine Woche später strahlte das mexikanische Fernsehen eine Audiobotschaft von McQueen aus, in der er erklärte, sich auf dem Wege der Besserung zu befinden. „Mexico is showing the world a new way of fighting cancer through nonspecific metabolic therapies,“ sagte er, und fügte hinzu: „Thank you for helping to save my life.“

Krebsorganisationen zeigten sich verschreckt über diese Nachricht und warnten, dass McQueen einer Quacksalberei erläge. Aber die Öffentlichkeit wollten hören, was McQueen und seine Ärzte zu sagen hatten. Auf einer Pressekonferenz behauptete ein mexikanischer Arzt, dass 85 bis 90 Prozent seiner Patienten durch die Dr.Kelley-Therapie eine Verbesserung ihrer Leiden erfuhren; 12 Patienten meldeten sich mit der Aussage zu Wort, sie seien dadurch ganz geheilt worden. McQueens Zuversicht war nur von sehr kurzer Dauer. Am 6.November 1980 musste er erneut operiert werden, um Geschwüre zu entfernen. Er überstand die Operation, starb aber am nächsten Tag.

Steve McQueen`s bewegende Geschichte ist bemerkenswert nicht wegen seiner Anspruchnahme alternativer Krebstherapien, sondern vor allem weil er stellvertretend steht für Menschen, die sich von der Schulmedizin austherapiert wissen und dennoch nicht aufgeben wollen. Dafür gebührt ihm Respekt und Verständnis. Er ist aber auch Sinnbild für den Kämpfer im realen Leben, der ungleich einer seiner Filmcharaktere nicht über jeden Gegner triumphieren kann. Wie viele andere Patienten mit terminalem Krebs gab er alles, konnte den Tumor aber letztlich nicht besiegen.

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