Neues zu Limonen und der Monotherpentherapie

Neue Studien haben gezeigt, dass Limonen und seine Monotherpen-Derivate und Metabolite sich vor allem wirksam zeigen in der Chemoprävention, und dort vor allem bei weiblichen Brustkrebsmodellen. Dies ist besonders wichtig, da Brustkrebsdispositionen, so sie denn vorliegen, chemopräventiv behandelt werden können, dazu aber Medikamente mit wenigen Nebenwirkungen rar sind.
Die Studien, die sich noch immer in der frühen Phase befinden, konzentrierten sich auf Perillalakohol und Patienten mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen, mit einigen Berichten über eine Stabilisierung der Erkrankung. Man fokussiert sich auf Perillalakohol wegen der vermuteten stärkeren Aktivität, die schon die ursprünglichen Forschungen von Prof. Gould aufzeigten:

Azzoli CG, Miller VA, Ng KK, Krug LM, Spriggs DR, Tong WP, et al. A phase I trial of perillyl alcohol in patients with advanced solid tumors. Cancer Chemotherapy & Pharmacology. 2003; 516:493–8.
Hudes GR, Szarka CE, Adams A, Ranganathan S, McCauley RA, Weiner LM, et al. Phase I pharmacokinetic trial of perillyl alcohol (NSC 641066) in patients with refractory solid malignancies. Clinical Cancer Research. 2000; 68:3071–80.
Morgan-Meadows S, Dubey S, Gould M, Tutsch K, Marnocha R, Arzoomanin R, et al. Phase I trial of perillyl alcohol administered four times daily continuously. Cancer Chemotherapy & Pharmacology. 2003; 525:361–6.
Ripple GH, Gould MN, Arzoomanian RZ, Alberti D, Feierabend C, Simon K, et al. Phase I clinical and pharmacokinetic study of perillyl alcohol administered four times a day. Clinical Cancer Research. 2000; 62:390–6.
Bailey HH, Wilding G, Tutsch KD, Arzoomanian RZ, Alberti D, Feierabend C, et al. A phase I trial of perillyl alcohol administered four times daily for 14 days out of 28 days. Cancer Chemotherapy & Pharmacology. 2004;544:368–76.

Die Forscher zogen aus diesen Studien mit Perillaalkohol aber den Schluss, dass eine klinische Antitumoraktivität von Perillaalkohol bei sicheren Dosierungen nicht sehr wahrscheinlich ist. Denn Perillaalkohol wird extensiv metabolisiert und dabei im Menschen fast gänzlich in zwei aktive, aber polare Metabolite umgewandelt, Perillasäure und Dehydroperillasäure. Durch ihre Polarität scheint die Verteilung dieser Metabolite im menschlichen Gewebe limitiert und daurch ihre in vivo Gewebsaktivität herabgesetzt. Höhere Dosierungen sind aber durch gastrointestinale Nebenwirkungen beschränkt, so dass sich wünschenswerte Fortschritte nicht in dem von den Forschern erhofften Maße einstellten. Forschern in Brasilien der Universität Fluminense (UFF) gingen aber einen anderen Weg. In dem Land, in dem D-Limonen natürlicherweise in großen Mengen vorkommt, untersuchten die Wissenschaftler schon seit Jahren den Einfluss von Perillaalkohol (POH), kombiniert mit anderen Chemotherapeutika, auf das maligne Glioma, einer der Krebserkrankungen mit der höchsten Mortalitätsrate überhaupt. Den POH verabreichen sie aber nicht oral, sondern nasal, und erreichten damit erstaunliche Resultate (Lit.: http://www.fec.uff.br/portfolio/pagina/3/PESQUISA-DO-ALCOOL-PERILICO). Dieser Weg wurde nun in den USA aufgegriffen und weiterentwickelt. Prof. Gould hat mich in einer aktuellen Mitteilung vom August 2015 darauf aufmerksam gemacht, dass das neugegründete US-Pharmaunternehmen Neonc Inc eine Therapie entwickelte, die POH zusammen mit dem Standart-Chemotherapeutikum Temozolomid bei der Behandlung von Gliomas einsetzt  (http://www.neonctech.com)
Lit.: Perillyl Alcohol (POH) For the Treatment ofTemozolomide-Resistant Gliomas, Hee-Yeon Cho, Weijun Wang, Niyati Jhaveri, et al.; Mol Cancer Ther Published OnlineFirst August 28, 2012. http://mct.aacrjournals.org/content/11/11/2462

Diese Therapie wurde am 12.November 2014 von der FDA zur Behandlung seltenener Erkrankungen zugelassen, was ein ernomer Erfolg darstellt und das Potential der Monotherpen-Therapie unterstreicht.

Über Limonen selbst gibt es immer noch lediglich eine klinische Phase I/II Studie. Diese Studie berichtete über ein partielles Ansprechen bei einem Brustkrebspatienten und einer Stabilsierung der Erkankung bei drei Darmkrebspatienten (Lit.: Vigushin DM, Poon GK, Boddy A, English J, Halbert GW, Pagonis C, et al. Cancer Research Campaign Phase I/II Clinical Trials Committee Phase I and pharmacokinetic study of D-limonene in patients with advanced cancer. Cancer Chemotherapy & Pharmacology. 1998;422:111–7). Im Gegensatz zu Perillaalkohol bleibt Limonen im menschlichen Organismus nach oraler Einnahme bioverfügbar. Die Verteilung von Limonen im Gewebe bei Brustkrebspatienten wird nunmehr vermehrt untersucht, aber weitere Studien dazu sind nötig:

Lit.: Human breast tissue disposition and bioactivity of limonene in women with early stage breast cancer; Jessica A. Miller, Julie E. Lang, Michele Ley, Ray Nagle, Chiu-Hsieh Hsu, Patricia A Thompson, Catherine Cordova, Amy Waer and H.-H. Sherry Chow; University of Arizona Cancer Center, Tucson, Arizona; USC Norris Comprehensive Cancer Center and Department of Surgery, Los Angeles CA; College of Public Health, The University of Arizona, Tucson, Arizona
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3692564/

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Über Dr.Alexander Schrenk

Ich berate und recherchiere über aktuelle Entwicklungen, Präparate und Therapien im sogenannten komplementären oder unkonventionellen, alternativen Therapiebereich bei einer Tumorerkrankung.
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